7 Dinge, die mich an HypnoBirthing stören

HypnoBirthing gilt noch immer als das Nonplusultra unter den Schwangeren und wird als progressiver Ansatz der Geburtsvorbereitung gehandelt. Dabei ist die Geburtsvorbereitungs-Methode, die mit Tools aus der Hypnose arbeitet, schon über dreissig Jahre alt.

Als Marie Mongan die Methode aus den Erkenntnissen über natürliche Geburten des Arztes Grantley Dick-Reads entwickelte, war diese bahnbrechend und eine Antwort auf die Missstände in der Geburtshilfe. Damals war es normal, dass der Vater während der Geburt ausserhalb des Geburtszimmers wartete und unbeteiligt blieb. Viele Frauen wurden richtiggehend betäubt und ihre Kinder von den Ärzten entbunden. Nach den Geburten kamen die Kinder in die Säuglingszimmer. Bonding? Fehlanzeige! Marie Mongan entwickelte deshalb mit HypnoBirthing einen Ansatz, der revolutionär war und der Frau ihre Macht über ihren Körper zurückgeben sollte. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Die Umstände sind heute andere. Und an heutige Umstände ist die Methode nicht mehr angepasst.

In meiner Arbeit als Geburtsvorbereiterin, Yogalehrerin, aber vor allem auch als Doula, sehe ich, welche Techniken und Ansätze den Frauen während der Geburt wirklich helfen – und bin deshalb wieder vom klassischen HypnoBirthing weggekommen. Im folgenden Text erfährst du, welche Punkte ich am HypnoBirthing kritisiere und welche Tools ich stattdessen empfehle.

1. Bloss nichts Unnatürliches!

HypnoBirthing ist die Antwort auf Jahrzehnte der medizinisierten Geburtshilfe, in der die gebärende Frau keine grossen Mitspracherechte hatte. Man(n) machte mit ihr. Egal, wie traumatisierend die Interventionen waren. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass die Methode gegen alles schiesst, was als unnatürlich betrachtet werden kann. In der Konsequenz verschliesst HypnoBirthing aber auch die Augen vor einem Schatz an Ressourcen, den die moderne Medizin nun einmal bietet.

2. Dogmatische Haltung!

HypnoBirthing hat eine rigorose Haltung dazu, wie eine gute Geburt auszusehen hat. Dementsprechend geht die Methode nicht darauf ein, welche Medikamente während der Geburt eingesetzte werden und welche Wirkungen diese haben und klammert auch kategorisch das Thema Kaiserschnitt aus – obwohl der sekundäre Kaiserschnitt (also der Kaiserschnitt, der nicht auf Wunsch geschieht, sondern im natürlichen Geburtsgeschehen irgendwann notwendig wird) bei weitem der häufigste ist.

Dass Frauen wissen, was auf sie zukommen könnte und sie auch für Eventualitäten vorbereitet sind, ist etwas, was ich im Yoga Mama Kurs hochhalte. Mir ist es wichtig, dass Frauen im Vorfeld wissen, welche Medikamente sie angeboten bekommen können und wie diese wirken. Diese Information und das Wissen darüber ermöglicht es einer Gebärenden erst, ihr Kind wirklich selbstbestimmt zu bekommen.

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3. Die Hebammen als Gegner

Ich höre immer wieder von befreundeten Hebammen, dass die „HypnoBirthing-Frauen“ den Hebammen gegenüber eine ablehnende Haltung zeigen. Das wundert nicht, denn die Methode stärkt Frauen dahingehend, sich gegen beinah jede Untersuchung und jede Intervention zu wehren. Es entsteht das Bild von dem medizinischen Personal, das die Selbstbestimmung der Frau torpedieren möchte.

In der Realität ist es so, dass wirklich jede Hebamme, mit der ich bisher zusammengearbeitet habe, ein grosses Interesse daran hat, die Geburt für die Frau möglichst sicher und positiv zu gestalten. Die Hebammen machen heute einen fantastischen Job und haben in unseren Breitenkreisen das Sagen, wenn die Geburt normal voranschreitet. Das bedeutet, dass sie Ärzten überstellt sind, wenn die Geburt unproblematisch verläuft. Wer wirklich in guter Geburtsathmosphäre gebären will, dem sollte die Stimmung am Geburtsort wichtig sein. Und eine gute Stimmung entsteht nicht, wenn die Fachfrau der Geburt unter Generalverdacht gestellt wird. Die Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen gebärender Frau, ihrer Begleitung, der Hebamme und allenfalls auch der Doula ermöglicht es der Gebärenden, auf einen Schatz an Ressourcen zurückgreifen zu können.

4. Exakte Vorstellungen

In den meisten HypnoBirthing-Kursen werden Listen verteilt. Diese sogenannten Geburtspläne beinhalten Vorschläge der Geburtspräferenzen. Die schwangeren Frauen sollen ankreuzen, welche Punkte ihnen besonders wichtig sind und diese dann dem Spitalpersonal abgeben. Oft bekommen die Hebammen listen, die sie genauestens instruieren, keinen Dammschnitt zu machen, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen und über Wellen statt Wehen zu sprechen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die allermeisten dieser Vorschläge ohnehin längst in der Geburtshilfe etabliert sind. Keine Hebamme macht einen Schnitt in den Damm einer Frau, ohne dass es gute Gründe gibt. Heute weiss man, dass ein Dammriss besser verheilt, als ein Schnitt. Heute lässt man Frauen während der Geburt auch essen und trinken. Und man erlaubt ihr auch, sich frei zu bewegen. Dass sich viele Hebammen über die Erinnerungen ärgern, nicht mehr wie vor einem halben Jahrhundert zu arbeiten, kann ich gut nachvollziehen.

Die genauen Listen haben aber auch einen zweiten Nachteil: Dass man sich ein viel zu enges Bild der Wunschgeburt macht. Gerade Erstgebärende gehen dann mit verklärten Vorstellungen in die Geburt und sind dann überrascht, wenn sich der eigene Körper ganz anders verhält, als sie es erwartet hätten.

Im Yoga Mama Kurs lege ich besonderen Wert darauf, dass die schwangeren Frauen mentale Strategien erarbeiten, die ihnen erlauben, mit allen unvorhersehbaren Umständen umzugehen.

5. Die Schmerzfrei-Lüge

Vor allem die Vorstellung, mit der HypnoBirthing-Methode schmerzfrei zu gebären, führt meiner Meinung nach oft dazu, dass die Frauen während der Geburt derart von der Heftigkeit des Geburtsschmerzes überrascht werden und dann in eine Panikspirale geraten. Damit zu werben, dass eine Geburtsmethode zur Schmerzfreiheit führt, empfinde ich nicht nur deshalb als falsch.

Tatsächlich ist der Schmerz nämlich durchaus ein wichtiger Bestandteil der Geburt. Der Schmerz lenkt die Konzentration der Gebärenden auf die inneren Prozesse. So zeigt der Schmerz ihr genauestens an, in welchem Stadium sie sich gerade befindet, wie sich das Kind gerade eingestellt hat und welche Geburtsposition deshalb sinnvoll wäre. Wenn ich Frauen bei der Geburt unterstütze, wissen sie intuitiv genau, wie sie sich positionieren möchten und ertragen gewisse Positionen schlichtweg nicht. Der Schmerz der Frau schützt so ihr Kind davor, dass es sich ungünstig einstellt und zu viel Druck auf es ausgeübt wird. Daneben führt das Schmerzempfinden auch dazu, dass der Körper eine erhöhte menge Endorphine ausschüttet – welche eine schmerzstillende Wirkung haben.

Die Yoga Mama Methode vermittelt deshalb gezielt den Sinn und Zweck des Schmerzes und zeigt Wege auf, wie man den Schmerz anzunehmen lernt und mit ihm während der Geburt umgehen kann. Schmerzfreiheit ist ein falsches Versprechen. Angstfreiheit hingegen nicht.

6. Mehr ist hier weniger

In HypnoBirthing-Kursen lernt man oft sehr viele Techniken, die einem dabei helfen sollen, sich in Selbsthypnose zu versetzen und einen Trance-Zustand zu erreichen. Meine Erfahrung zeigt mir, dass sehr viele Frauen mit dem Überangebot der verschiedenen Techniken überfordert sind und die einzelnen Techniken auch nur sehr kurz und theoretisch vermittelt werden, sodass sich die Methode kaum im Körper verankern kann.

Gerade während der Geburt muss man dringen vermeiden, mit dem rationalen Verstand zu arbeiten. Geburt ist etwas instinktives, was nicht über den Kopf, sondern eben über den Körper gesteuert wird. Wer während der Geburt darüber nachdenken muss, wie jetzt noch diese eine Übung genau funktioniert hat, wird den Körper vollkommen blockieren.

In meiner Arbeit fokussiere ich mich deshalb auf zwei einfache Methoden, um die tiefe Entspannung zu erzielen. Ich arbeite dabei mit einer Hypnose, aber auch mit einer speziell entwickelten Yoga Nidra Technik, die bereits während der Schwangerschaft bis zu täglich geübt werden kann und sich selber im Unterbewusstsein verankert.

7. Atmen – aber wie?

Ähnlich wie bei den Entspannungsübungen gibt HypnoBirthing drei Atemtechniken für die verschiedenen Stadien der Geburt mit an die Hand. Das kann nicht funktionieren, denn viele Frauen haben im Geburtsgeschehen keinen Überblick noch das nötige Fachwissen, um genau zu spüren, in welchem Stadium sie sich befinden. Während der Wehe die Atmemtechnik A zu praktizieren und während der Pause dann zur Atemtechnik B zu wechseln, setzt voraus, dass der rationale Verstand aktiv ist – was gleichzeitig bedeutet, dass die Frau ihren Körper nicht machen lässt.

Die Techniken selbst sind in der Theorie nachvollziehbar: Ja, es macht Sinn während der Wehe lang einzuatmen und dann möglichst lang auszuatmen. Ohne gezielte Vermittlung aber, wie genau das gemacht werden soll, führt das lange ein- und ausatmen in der Regal aber zu einer Stimulation des Sympathikus, also genau zum Gegenteil des eigentlichen Zieles.

Pranayama ist die Atemlehre des Yogas und wurde über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt. In der Yoga Mama Methode achte ich ganz bewusst darauf, den Umgang mit dem Atem langsam zu vermitteln, sodass das Nervensystem mit den Techniken nicht überfordert wird. Meine Geburtsatmung hat bisher jeder einzelnen meiner Klientinnen sehr dabei geholfen, mit dem Wehenschmerz umzugehen – die Technik ist das Herzstück meiner Methode.

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